Geschichte der
Universitätsschule Jena
Die
Universitätsschule in Jena (1923 – 1950)
Abriss:
23.11.1923 – Antrittsvorlesung: Petersen hatte den Ruf auf den Lehrstuhl für Erziehungswissenschaft der Universität Jena angenommen und damit auch gleichzeitig die „Universitätsübungsschule“ mit übernommen, die er jedoch ab 1924 vollkommen neu gestaltete
14.5.1924 - Eröffnung der Erziehungswissenschaftlichen Anstalt (Gründung Oktober 1923), damit auch Begründung der universitären Lehrerbildung in Thüringen.
Ostern 1924 - Eröffnung einer
Grundschulklasse „in der neuen Form“ mit 21 Kindern (14 Knaben, 7 Mädchen; 1. -
4. Schuljahr; offensichtlich 6 Schulanfänger; Leitung: Hans Wolff);
Die Anzahl der Schüler war zweifellos sehr gering, es
musste jedoch mit einer solch kleinen Gruppe begonnen werden, da die Stadt Jena
keinen zweiten Schulraum zur Verfügung stellen wollte.
1.10.1924 - Einrichtung von 2 Abteilungen: Kinder des 5. und 6. Schuljahres ergänzen die Jahrgänge 1 bis 4
1925 - Auslagerung der E.A. in die Grietgasse 11, deshalb wird eine Erweiterung der Schule möglich
Ostern 1925 - 3 Stammgruppen mit
insgesamt 70 Kindern vom 1. - 8. Schuljahr
auf 3 Gruppen verteilt;
Datenlage
unklar!
Lehrer: Hans Wolff, Robert Reigbert, Arno
Förtsch
In der Folgzeit entsteht eine komplette
Volksschulstruktur:
Untergruppe 1 - 3
Mittelgruppe 4 - 6
Obergruppe 7
- 8/9
In der Grietgasse 17a sind neben den
Stammgruppenräumen auch Aula, Kursräume,
Funktionsräume, Werkräume, Schulgarten
zu finden.
Ein erster Bericht über die Gestaltung des Schul- und Unterrichtslebens an der Universitätsschule (Peter Petersen mit Hans Wolff) wird bereits 1925 veröffentlicht: „Eine Grundschule nach den Grundsätzen der Arbeits- und Lebensgemeinschaftsschule“
1926 - Namensänderung von „Übungsschule“
in „Universitätsschule Jena“; die Schule ist
dem Kultusministerium in
Weimar unterstellt, ist damit
frei von geistlicher und weltlicher
Schulinspektion, damit erst bietet sich Petersen die Gelegenheit, eine „freie,
allgemeine Volksschule“ (1930, S. 1) zu schaffen
1926 fordern mehr als 300 Familien einen Ausbau der Schule, ein „Verein der Freunde der Neuen Erziehung“ hatte sich im selben Jahr gegründet; 10 - 12 Schüler können nur aufgenommen werden
1925 - 1929
läuft der Versuch, ein 10. Schuljahr einzurichten und eine Vorbereitung von
hochbegabten Schülern auf die Höhere Schule durchzuführen.
Das Drängen der
Eltern - den Schulversuch bis zum Abitur in Angriff zu nehmen. „...gab mir
die lange ersehnte Gelegenheit, die Idee der „freien allgemeinen Volksschule“
praktisch zu erproben. Denn nun vereinte die Schule ausgesprochene
Hilfsschulkinder und Knaben und Mädchen, die zu den Bestbegabten der Stadt
gehörten, Kinder beiden Geschlechts und
aller Stände in günstigem Verhältnis“
(Petersen 1930, S.
1).
Es ist gar nicht zu sagen, welch ein Rausch
von Schöpferfreude und Arbeitseifer über die Kinder kommt und wie in jedem Kinde
alle Kräfte wach werden oder sich ungeahnte Talente zeigen. Alles was mit dem
Gegenstand zusammenhängt, Erdkunde, Gebirgsarten, Gesteinsschichten,
Vulkanismus, Verkehrswege, Pflanzen, Tiere Kultur des Landes, Wirtschaft,
Arbeit der Bewohner, Geschichte, Religion, Kunst, alles kommt zur Sprache und
wird originell und verschieden behandelt. ...
Aber mehr wert als alle
Arbeitsfreude und Frische ist die Selbständigkeit und Kameradschaftlichkeit, die
sich in dieser Schule entwickelt. In der gewöhnlichen Schule geht alle
Initiative vom Lehrer aus. Hier wird alles darauf angelegt, daß das Kind aus
sich herausgeht, und von sich aus anregt. ...
Und dabei das Gefühl “wir
müssen es ordentlich machen. Der oder die kann das nicht so gut, da müssen wir
helfen” und im “freien Arbeiten” - es gibt besondere Stunden, wo sich die
Kinder frei beschäftigen - setzt sich dann eins zum anderen und hilft ihm, den
Vortrag vorbereiten. Und zu irgendwelchen Feiern, Geburtstagen, Abschieden
werden Aufführungen selbst gedichtet, gemeinsam , möglichst ohne Lehrerhilfe
eingeübt und aufgeführt. ...
Und wenn irgend etwas nicht so ist, wie es sein
sollte, so bringt man die Sache vor den “Kreis”, da sagt man sich ganz ehrlich
die Wahrheit. Strafen von seiten des Lehrers sind nicht nötig. Man hält
aufeinander, auf die Gruppe, auf die Schule, Selbständigkeit, Liebe, Gemeinsinn
wächst hier. Es sind Kinder aller Schichten, aus den verschiedensten
Elternhäusern und Schulen zusammen, und sie fühlen sich als Einheit, obwohl sie
erst ein Jahr zusammen sind.
Ob die Schule bis zum Ziel des Abiturs
weitergehen kann, weiß man nicht. Man hofft und arbeitet dafür. Staats- und
städtische Mittel werden kaum zu gewinnen sein. Man hat kein Geld für Thüringen.
Aber wenn ein Kind auch nur ein paar Jahre eine solche Schule besucht, so ist
das ein Gewinn an Gesundheit, Kraft, Glück und Freude nicht nur für dies Zeit,
sondern für das ganze Leben.”
[Bericht einer Mutter 1926; aus Kluge 1992, S. 153; dort zit. n.: Ada Weinel, in: Kindergarten, 1926, S. 265]
1928/29 - Übergangsphase hin zur Volksschule-Aufbauschule (63 Schüler; 27 Knaben, 36 Mädchen);
1932 – 34: Einrichtung einer zweiten Mittelgruppe
1934 wird ein „Fröbel-Kindergarten“ angeschlossen, um die Friktionen zwischen Kindergarten und Schule zu verringern bzw. zu vermeiden
Sept. 1939 - Einrichtung eines Kleinkindertagesheims „für Kinder erwerbstätiger Frauen der Firma Zeiß“, ganztägige Versorgung der Kleinkinder von Müttern im Kriegseinsatz (Auszug aus der Grietgasse 17a: 1942); 1944 von der NSDAP „entzogen“
1944/45 - Einrichtung einer zweiten Untergruppe
[Einrichtung eines Schulheimes/Schulkinderhorts ab 1944/1945]
1947 - 1949: Einrichtung eines gesamten
Parallelzuges (insgesamt 6 Stammgruppen, 7 hauptamtliche
Lehrer/Stammgruppenleiter, 8 - 10 nebenamtliche Lehrkräfte
am 1.8.1950 wird von der SED die „Universitätsschule“ geschlossen als „reaktionäres, politisch sehr gefährliches Überbleibsel aus der Weimarer Republik“ (Frau Ministerin Dr. Torhorst, Ministerium für Volksbildung der DDR); sie bestand zuletzt aus 8 Stammgruppen; die Jugendlichengruppe umfasste Schüler bis zum 11. Schuljahr (O II): insgesamt 266 Schüler; es ist bei der Absicht geblieben, die Schule bis zum Abitur auszuweiten.
1951 - Schließung („Umgestaltung“) der
Erziehungswissenschaftlichen Anstalt
Erziehungswissenschaftliche Anstalt 1945 –
1952
(1950: Institut für Theoretische Pädagogik)
* Abt. „Das Kleinkind“ hatte Aufgaben und Probleme von
Kindergarten, Kindertagesheim, Schulheim und Hort zu untersuchen
(s. Mieskes,
S. 301)
Oskar Seitz